Präsidentschaftskandidat – und nun? (4.7.2022)

 

So, da sitze ich nun - am späten Abend des ersten Tages als offizieller "Präsidentschaftskandidat".

Und frage mich: "Ja, was denn nun?"

Nein, nicht inhaltlich, punkto Wahlversprechen et cetera. Sondern einfach als Mensch! Wie geht es denn jetzt in den nächsten Tagen und Wochen weiter mit mir?

Bin ich jetzt "wer anderer"? Laufe ich jetzt nur mehr im dunklen Anzug herum, rede bloß über staatstragende Themen und mache ein ernstes Gesicht? Lasse ich die jetzt links liegen, die mir etwas bedeuten und für die ich bisher da war?

Klar, wenn das Amt eines Bundespräsidenten da noch dazu kommt, dann geht sich vieles andere so nicht mehr aus. Dann gehst auf der Einzelfall-Problemlöser-Ebene schlicht und einfach unter. Keine andere Chance, außer das für DIESE Ebene neu und gut zu organisieren. Dafür kommt oben drüber - wenn man gut ist und wirklich WILL - etwas Verbessertes hinzu, das auf DIESER Ebene den Menschen weiterhelfen kann.

Aber bis dahin?

Bin ich jetzt durch diese Kandidatur "etwas Besseres"?

Also ehrlich: Ich hätte aus so einer Denke heraus schon als passiv Betroffener ein enormes Problem. Weil wenn ein hochrangiger Politiker oder Manager meint, etwas Besseres oder Wichtigeres zu sein als ein Straßenkehrer, Bäcker, Öffi-Fahrer, Feuerwehrmann oder eine Krankenpflegerin, Putzfrau, Kindergärtnerin oder Billa-Kassierin, so wünsche ich denen schon einmal viel Vergnügen wenn diese Berufe einmal ein paar Tage streiken. Und viele, viele andere.

Aber gar aktiv? In mir dreht sich alles um, würde ich mich über andere Personen stellen wollen - bloß weil ich ein öffentliches Amt anstrebe!

Im Gegenteil: Selbst der allerärmste Notleidende oder Obdachlose ist dann eine persönliche Verpflichtung. Ein Gedanke und eine Verantwortung, die mir jetzt schon Angst und Kopfzerbrechen macht - gerade in Zeiten, in die wir gegenwärtig geraten. Denn das, was dann in diesem Amt zu tun ist wird nie gut genug sein. Weil es nie gut genug sein KANN.

Und trotzdem muss es versucht werden.

Aber wie kann ich von jemand anderem etwas derart schier Unmögliches verlangen, wenn ich mich selber dieser Bürde verweigere?

"Irgendwer wird irgendwann schon ..."?

Das ist schon einmal definitiv zu spät - denn die Zeit für längst überfällige Problemlösungen ist JETZT!

Wenn ein Don Quichote gefragt ist, der sich eh schon gegen Windmühlen zahlreiche Schrammen geholt hat - und trotzdem stur genug ist, nicht hinzuschmeißen: HIER! 

Also passt es zwischen allgemeiner Problemlage und Charakter des Protagonisten eh - irgendwie halt - ein bissl.

Nur bitte nicht bös sein, dass ich mir wenigstens zwischendurch den Luxus leiste, einfach der zu bleiben, der ich bin!

Ich glaube, "Bundespräsident kann ich".

Aber ich MUSS es nicht 7 x 24 immer und überall sein. Denn ich bin einfach ich - immer noch - und immer noch "nichts Besseres"!

Und auch immer noch für die Menschen ringsum da, wenn es wo brennt und nach besten Kräften Hilfe gefragt ist. Das ist "meine Art von Wahlkampf", auch wenn es außer den direkt Betroffenen keiner merkt. Denn ich muss mich täglich immer noch rasieren - und selbst bei einer Trockenrasur möchte ich mich ganz gerne dabei in den Spiegel schauen können.

Gute Nacht!