Libyen gegen Japan – et cetera (17. und 18.3.2011)

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Luftangriffe gegen Rebellenhochburg
Nach der Ankündigung der „entscheidenden Schlacht“ zur Rückeroberung der von den Rebellen gehaltenen Hochburgen im Osten Libyens haben Al-Gaddafi-Truppen am Donnerstag offenbar ihre Offensive ausgeweitet. Ziel von Luftangriffen war unter anderem der Flughafen der „Hauptstadt“ der Rebellen, Bengasi. Massive Artillerieangriffe und Panzerattacken wurden zudem aus der belagerten Stadt Misrata gemeldet.

http://news.orf.at/stories/2048048/ - 17.3.2011

 

Libyen: Entscheidung über Flugverbotszone
Im UNO-Sicherheitsrat soll heute nach wochenlangen Verhandlungen die Entscheidung über ein Flugverbot in Libyen fallen. Vor allem die Franzosen drängen auf eine Abstimmung, um Diktator Muammar al-Gaddafi seine wichtigste Waffe im Kampf gegen die Rebellen aus den Händen zu nehmen.

Der Ausgang ist aber völlig offen, zumal die fünf ständigen der 15 Sicherheitsratsmitglieder ihr Veto einlegen können.

Trotz sechsstündiger Beratung hinter verschlossenen Türen hatte sich das mächtigste UNO-Gremium gestern noch nicht auf ein Flugverbot und weitere Sanktionen einigen können. Eine entsprechende Resolution wurde zwar diskutiert, auf ein gemeinsames Papier konnten sich die 15 Mitglieder aber nicht einigen.

Rice fordert breites Maßnahmenpaket
Allerdings gibt es einen vom Libanon im Namen der Arabischen Liga eingebrachten und von Großbritannien und Frankreich unterstützten Resolutionsentwurf. Das Papier fordert „die Einrichtung einer Zone, in der zum Schutze der Zivilisten alle Flüge unterbunden werden“.

Die UNO-Botschafterin der USA, Susan Rice, wollte sich nach der Sitzung nicht festlegen. „Wir wollen ein breites Maßnahmenpaket, um die Zivilisten zu schützen, Al-Gaddafis Morden zu stoppen und dem libyschen Volk zu ermöglichen, seine Zukunft selbst zu entscheiden.“

Nach wie vor gibt es bei einigen Ländern Bedenken gegen ein Flugverbot, andere scheinen von ihrer früheren Zustimmung abzurücken.

Warnung vor „furchtbarem Völkermord“
Ohne ein sofortiges Flugverbot droht nach den Worten von Libyens Vizebotschafter Ibrahim Dabbaschi ein Völkermord. „Al-Gaddafi hat den Verstand verloren. Er greift mit Kampfflugzeugen Zivilisten in dicht bewohnten Städten an“, sagte er in New York. Dabbaschi hatte sich vor einem Monat von Al-Gaddafi losgesagt. „Wenn die Weltgemeinschaft nicht sofort handelt, dann wird es einen furchtbaren Völkermord geben.“

http://news.orf.at/#/stories/2048011/ - 17.3.2011

 

Waffenstillstand angekündigt
Die in der Nacht auf Freitag beschlossene UNO-Resolution samt den unmittelbar darauf begonnenen Vorbereitungen auf eine Militäraktion gegen die Truppen von Machthaber Al-Gaddafi haben zu ersten Konsequenzen in Libyen geführt. Außenminister Kussa kündigte Freitagnachmittag einen sofortigen Waffenstillstand an. Laut seinen Aussagen wird die Offensive gegen die Rebellenhochburgen zum Schutz der Zivilbevölkerung gestoppt.

http://news.orf.at/stories/2048311/ - 18.3.2011

 

Fast schon skurril, aber es soll hier vernachlässigt sein, dass man mit einem rascheren Einschreiten des UNO-Sicherheitsrates - aufgrund von Aktion und Reaktion, wie oben in den Meldungen dargestellt - offenbar viele, sehr viele Leben sinnlos geopferter Menschen hätte retten können.

Was mich beschäftigt, ist der Umstand, dass man mit dieser - eh schon viel zu späten - Aktion der Staatengemeinschaft das Medien- und Öffentlichkeitsinteresse offenbar recht erfolgreich von der Reaktorkatastrophe in Fukushima abgelenkt hat. Ohne wirklicher Hilfe unserer "westlichen Welt", ohne irgendwelche rechtzeitige Hilfe der Staatengemeinschaft. Ohne erkennbare Pläne, wie man die Betroffenen in Sicherheit bringen könnte. Möglicherweise sogar abgewiesen, damit ein paar Leute an der Spitze ihr Gesicht nicht verlieren.

Das alles in Anbetracht dessen, dass Japan schon Haiti in der Wahrnehmung der Gesellschaft verdrängt hat.

Und Deep Water Horizon? Was ist das?

Tschernobyl? Schnee von vorvorgestern!

Nein, die Vertreibung aus dem Paradies ist nicht, wie in der Bibel beschrieben, zur Zeit von Adam und Eva passiert - sie geschieht heute. Sie ist in vollem Gange.

G.K., 18.3.2011

Denn wir haben uns dieses Paradies namens Erde nicht verdient!