Die Mär von den fehlenden Wohnungen in Wien (27.8.2019)

 

https://www.derstandard.at/story/2000107420126/die-maer-von-den-fehlenden-wohnungen-in-wien

Zitat: "Wir brauchen mehr Angebot", sagte Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger am Montag im ORF-"Sommergespräch" mit Tobias Pötzelsberger. Man war beim Thema Wohnen angelangt. "Wenn wir mehr Angebot haben, dann sinken auch die Preise", so die Neos-Chefin mit eindringlichem Blick. "Massiv" müsse man das Angebot ausweiten.

 

Nur zum Nachdenken: Im Hugo Breitner Hof, einem der größten Gemeindebauten Wiens standen Ende 2018 fast 80 Mietobjekte leer, davon fast 40 schon über 2 Jahre.

Brauchen wir daher mehr Wohnungen?

Wer wir? Die Mieter? NEIN! Die brauchen mehr LEISTBARE Wohnungen. Neumieter, die die Wohnungen aus dem konkreten Beispiel Hugo Breitner Hof beziehen wollen, zahlen z.B. brutto 9,08 EUR Miete pro Monat und m2 - mit Lift 9,54 EUR.

Wenn sie nicht noch zusätzlich für neu errichtete Dachgeschoßwohnungen einen einmaligen Finanzierungsbeitrag in der Höhe von über 150 EUR/m2 auf den Tisch legen müssen.

Und natürlich als Kaltmiete - Energie, Heizung etc. kommen noch dazu.

Leer - nix mit eingebauter Küche samt Geräten etc, wie man es oft bei Angeboten im privaten Bereich findet.

Und mit steter Bedrohung, dass den Mietern im Gemeindebau eine (meist ungerechtfertigt verrechnete) § 18-Sanierung auch noch aufs Auge gedrückt wird.

Hilft uns daher ein kräftiger Neubau von Wohnungen? Angesichts dieser Zustände und wenn sich die Suchenden nicht einmal mehr Wohnungen im "sozialen" Wohnbau der Stadt Wien leisten können: Nein!

Es vernichtet nur Grünland oder wunderschöne Altobjekte - von dem wir anscheinend sowieso zuviel haben. Wer braucht das schon?

Apropos "wer braucht das schon" - diesen Bauboom nämlich! Die Investoren brauchen das, meist mit potenten Klienten dahinter. Weil die ihre Vermögenswerte nämlich aus den immer riskanter werdenden sonstigen Geld"anlagen" mit entsprechenden Profitaussichten in sicherere Gewässer retten wollen. Und Immobilien scheinen prädestiniert dafür (in Wahrheit auch nicht - denkt die Dinge fertig, Herrschaften).

Warum die Politiker bei so etwas mitspielen? Ach, keine Ahnung! Oder fiele Ihnen da aus der letzten Zeit irgendetwas an möglicher Begründung ein?

Sicher ist es auch nur Zufall, dass die für den "sozialen" Wohnbau in Wien schon seit ewig zuständige SPÖ in ihren Mietrechtsvorschlägen nur von Dingen redet, die dem eigenen Unternehmen "Wiener Wohnen" (als größter Hauseigentümer und -verwalter Europas, wie sie sagen - mit über 200.000 Wohnungen) punkte Pfründe NICHT an die Wäsche geht und daher WIRKLICH Probleme für die Mieter im sozialen Wohnbau lösen würde.

Das strukturelle Problem bei den Wohnungsmieten ist von der Basis auf zu lösen, nicht nicht durch den Zubau weiterer nicht leistbarer und daher wiederum leerstehender Wohnungen. Auch nicht mit Höchstmieten. Weil ob ein russischer Oligarch sein Penthouse in der Innenstadt billiger mieten kann oder nicht, ist dem wohnungssuchenden jungen Paar mit Billigjobs und einem sich ankündigenden Nachwuchs nun ja wirklich herzlich egal.