Die Elektromobilitäts-Falle (22.11.2018)

 

Vorsicht vor dem nächsten ökologischen und humanitären Dilemma!

Elektromobilität, ein Thema das momentan groß geschrieben wird. Aber bei aller Überzeugung, dass fossile Brennstoffe aus unserer Mobilität verdrängt werden MÜSSEN, sollten wir beim dafür erforderlichen Technologiewechsel mit großer Umsicht und Vorsicht handeln, damit wir uns dabei nicht vom Regen in die Traufe begeben!

Das große Problem bei dieser Technologie - wenn wir auf dem heute angedachten Weg fortfahren - befindet sich im Bereich der Akkus: Hierzu braucht man große Mengen von Lithium und Kobalt. Beide Rohstoffe werden aber im Moment unter großen ökologischen und humanitären Problemen gefördert!

Lithium wird zu einem beträchtlichen Anteil in der chilenischen Atacama-Wüste abgebaut. Dort befinden sich riesige Betriebsanlagen, welche das Lithium dadurch gewinnen, dass sie täglich bis zu 21 Mio. Liter Grundwasser - welches logischerweise gerade dort sehr tief liegt - hochpumpen, und jeweils für mehrere Wochen in riesige Becken geleitet wird. Und erst nachdem das Wasser dort großteils verdunstet ist, bleibt ein Lithiumkonzentrat zurück.

Eine Gewinnungsmethode, die im Grund genommen jeden Menschen mit Hausverstand zum Kopfschütteln bringen muss, denn in einer der trockensten Gegenden auf diesem Planeten wird eine riesige Menge an Grundwasser verdunstet, bloß damit Lithium für Akkus zur Verfügung steht.

Dies hat natürlich große Auswirkungen auf jene Menschen, die dort in den wenigen bewohnbaren Oasen leben: Deren landwirtschaftliche Erträge schwinden. Wasser wird noch viel mehr zu einem seltenen Gut, Trinkwasser fast zu einem Luxus!

Aber auch ökologisch bedeutet es einen massiven Einschnitt, denn selbst in dieser Gegend beweist das Leben seine Vielfalt und Anpassungsfähigkeit: Ein einzigartiges Ökosystem in den Salzlagunen ist durch stetiges Absinken des Grundwasserspiegels massiv bedroht!

Dabei wäre doch die Sammlung von verdunstetem Wasser eine der einfachsten Aufgaben: Warum werden über den Verdunstungsbecken z.B. keine Auffangkonstruktionen aus Glas aufgestellt und so ein Großteil des aufgefangenen Wassers wieder ins Grundwasser zurückgeführt? Aber Sie haben sicher schon die Gründe dafür erraten: Sicher scheitert es nicht an der Machbarkeit dafür, sondern an den damit verbundenen Kosten. Es geht ja dem Unternehmen nicht in erster Linie um das Lithium, sondern um den damit verbundenen finanziellen Gewinn!

Kobalt ist einer der weiteren Rohstoffe, welcher in großen Mengen für Akkus in E-Autos gebraucht wird. Dieser kommt zu einem Hauptteil aus dem Kongo, in welchem arme Bewohner in senkrechten und selbst gegrabenen Stollen dieses Erz abbauen. Diese Stollen haben den Begriff Bergwerk oder Bergbau nicht einmal im Entferntesten verdient: Keinerlei Absicherungen, Luftpumpen und so weiter! Unter großen Risiken - vom giftigen Kobaltstaub, ungesicherten Abstiegen, ungesicherten Eingängen mitten in den Dörfern - holen die Bewohner das Erz ans Tageslicht. Und wie so oft erhalten sie nur einen geringen Anteil am Gewinn dieses wichtigen Rohstoffes.

Ökologisch mag dies zwar weniger Auswirkungen haben, humanitär ist es allerdings die Fortsetzung des alten kolonialen Ausbeuterprinzips der Industriestaaten bzw. heute vielmehr der Konzerne. An dem hat sich grundsätzlich nichts geändert - auch wenn die NGO's und Dritte Welt-Staaten noch so oft diese Misere zur Sprache bringen. Und am Ende des Liedes wundern wir uns dann sogar, warum es so viele "Wirtschaftsflüchtlinge" aus Afrika gibt!

 

Was wäre zu tun?

Nun, eine einzelne einfache Lösung gibt es nicht. Zumindest noch nicht!

Dies darf uns aber nicht in dem Glauben lassen, E-Mobilität wäre - so produziert (und das nur aus gleich den nächsten Profitgründen) - die richtige Lösung. Wir müssen uns stattdessen JETZT bereits darum bemühen, dass die zukünftige Transporttechnologie so nachhaltig und sauber wie möglich wird!

Es sind wohl mehrere Maßnahmen dazu erforderlich, wie in der Dokumentation des ZDF erwähnt (aber auch im Grundsatzprogramm der DA enthalten).

Ein wichtiger Aspekt ist sicher die verstärkte Forschung. So zum Beispiel werden gerade bessere und vor allem Kobalt-freie Akkus entwickelt. Aber man wird sich auch bereits vorhandene Forschungsergebnisse bzw. angemeldete Patente hernehmen müssen, die bisher aufgekauft und auf Eis gelegt wurden, um schon vorhandene Geschäftsfelder der Konzerne nicht zu gefährden.

Man wird die Speicherung von Energie bzw. Strom in anderer Form ebenfalls in Betracht ziehen müssen - zum Beispiel der Elektrolyse von Wasser und der Verwendung der entflammbaren Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff.

Auch die möglichst weitreichende Stromverwendung ohne erforderliche Speicherung wird ein Kernthema werden - also über Leitungen und Stromabnehmer. Und, und und!

Aber auch die Reduktion unnötiger (weil nur durch Kosten und Erträge bedingter) Transporte wird in den Vordergrund rücken müssen. Was alles an Produkten erzeugen wir derzeit am anderen Ende der Welt, bloß weil dort die Arbeitskräfte billiger sind!

Und nicht zuletzt werden wir mit unseren Abfallprodukten, insbesondere den nicht mehr benötigten Geräten anders umgehen müssen. Die Weiterverwendung einerseits und das Rohstoff-Recycling daraus andererseits hat enormes Potential. Wenn man sich dazu wieder auf dem afrikanischen Kontinent umsieht, wo ein beträchtlicher Anteil des Elektroschrotts, wird man sich der Dimensionen zweier zusammenhängender Probleme bewusst: Der Rohstoffgewinnung und der Entsorgung des daraus produzierten Gutes, das zu unerwünschtem Müll geworden ist. Wer sich hier einmal nur in Ghana das letztere Thema genauer ansieht, muss leider gleich die nächste ökologische und humanitäre Katastrophe erkennen. Bloß aus Kostengründen wird ein großes Recycling-Potential an Ressourcen einfach in der Landschaft entsorgt!

Die Politik ist gefordert nicht erst am Ende einzugreifen, wenn dann bereits wieder eine nächste Anzahl von schwer zu lösenden Problemen entstanden ist. Sie muss für all die Notwendigkeiten der Zukunft die Rahmenbedingungen JETZT SCHON so gestalten, dass wir nicht bloß die ökologischen und humanitären Desaster austauschen. Und dies geht zwingend mit einem Umdenken einher - von Kosten, Erträgen und Profiten heute zur Machbarkeit und Nachhaltigkeit von morgen.

Eine wirklich sinnvolle und saubere neue Mobilität hängt eben von vielen oben erwähnten Maßnahmen ab - und ist mit unabdingbaren Regelungen verbunden: Bei der Gewinnung der Rohstoffe an Ort und Stelle, bei der möglichst langen Nutzungsdauer statt der heutigen Wegwerfprodukte, bei der Wiedergewinnung von Rohstoffen aus dem Recycling, bei der Förderung von Forschung und Anwendung von Forschungsergebnissen.

 

Also vom fossilen Brennstoff weg: JA!

Aber nicht ohne Umsicht, um nicht von einem ins nächste ökologische und humanitäre Dilemma zu schlittern.

Und der erste Schritt dazu findet in unseren Köpfen statt!

 

Die ZDF Dokumentation planet e:
https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-der-wahre-preis-der-elektroautos-100.html

Link zum Grundsatzprogramm der DA:

Grundsatzprogramm