Zur Wirtschafts- und Finanzkrise (1.11.2008)

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Nein, es war nicht verkehrt, mit Unsummen jetzt die Banken und den Geldkreislauf zu stabilisieren!

Die Fehler, schwere, fatale Fehler, liegen und lagen woanders - und werden wohl auch in Zukunft woanders liegen:

In der Vergangenheit:

Es musste Wachstum her - vor allem bei den Gewinnen, die von Heuschrecken abgegrast wurden.

Und es musste möglichst VIEL Gewinn sein, damit die Heuschrecke auch anbeißt. Klingt vielleicht paradox - aber hat man einmal den "going public"-Kapitalfehler (sic.) begangen (aus welchen Gründen auch immer), dann bleibt einem gar nichts anderes übrig, als dem verderblichen Schädling geradezu nachzulaufen.

Wachstum kann es in einem reinen Verdrängungswettbewerb (und nichts anderes haben wir seit langer Zeit vor uns) nur auf Kosten der anderen geben: Der Starke / Große frisst den Schwachen / Kleinen.

Blöd ist nur: Der "ganz kleine" ist in Summe all dieser obskuren Subjekte die Basis des Systems - sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Wenn wir auch politisch nur so tun ... in Wahlzeiten und so. Hach, so eine Demokratie nervt Oligarchen und ihre Ausführungsgehilfen bestimmt ungemein!

Wirtschaftlich hat man die Rasanz unterschätzt, mit der bei dem Etikettenschwindel "Globalisierung" die dünne Eisdecke wegschmilzt - nicht nur an den Polkappen, sondern auch bezüglich reibungsloser Funktion des Umverteilungssystems.

Ein gerade "abgebauter" Arbeitnehmer kann eben seinen Kredit nicht mehr zahlen - ja er bekommt auf einmal gar keinen mehr!

Ein "Working poor" in China oder Indien kann eben mit seinem Dollar pro Tag keinen Mercedes oder BMW kaufen - und in der westlichen Welt gibt es den Käufer (weil gerade "abgebaut") nicht mehr. Zumindest ab dann, wenn Bill Gates, Oleg Deripaska oder dem Scheich von Irgendwo der 350. Luxuswagen in der Garage langsam fad wird.

So schnell kann's gehen !

In der Gegenwart:

Schon bei der jetzigen finanziellen Stützung des Finanzsektors und ganzer Staaten (Island, Ungarn, ...) fällt auf: Es werden damit nur Löcher gestopft, die in der Vergangenheit a la Titanic in den Rumpf gerissen wurden.

So lange keine umfassende Systemänderung erfolgt, wird man oben Geld hineinschütten können, soviel man will - es wird unten wieder hinausrinnen.

Und Gnade Gott, einer im globalen Gesamt-Konzert versucht auf einmal - aus einer vermeintlichen Position der Stärke heraus und mit einer naturbegabten Portion an Dummheit ausgestattet - gegen den Trend zu spielen!

Dann ist ein selbst für "Große" absolut unbeherrschbares Desaster Realität geworden.

Punkto Systemänderung macht schon der Umstand verdrossen, welche Größenordnung da auf einmal - ohne mit der Wimper zu zucken - in ein marodes Finanzsystem gepulvert wird.

Ääääääääääh, und wofür war bis vor kurzem nicht einmal das eine oder andere Milliönchen da?
Im Sozialbereich?
Für eine Grundsicherung?
Für Umweltthemen und den Klimaschutz?
Für eine umfassende Umstrukturierung in Industrie und Energiegewinnung?
Für das Gesundheitssystem?
Für den Artenschutz?
Für die Bildung?
Für so gut wie alle Zukunftthemen?

Und jetzt heißt's auf einmal: Scheiss auf die Staatsverschuldung und ein Nulldefizit, auf Maastricht und Umgebung - everything goes ....!!??

In der Zukunft:

Welche ungeheure Schuldenlast der Staaten / Volkswirtschaften in der Zukunft abzustottern sein wird, ist jedem klar. Nein, Halt, Stopp! Das nehm ich zurück! Die Staatsverschuldung der USA zum Beispiel kann sich wohl niemand mehr vorstellen - also ich sicher nicht.

Nur ein Thema wird seitens der Politik momentan tunlichst vermieden:
Wer trägt in Zukunft welchen Teil dieser Last?

Kein Politiker nimmt tatsächlich und mit entsprechender Konsequenz die Forderung in den Mund, dass die bisher durch globales Dumping begünstigte Wirtschaft und die Nutznießer daraus - nämlich das Großkapital - auch entsprechend zur Problembereinigungs-Kassa gebeten werden.

Im Gegenteil: Die Konjunkturpakete schütten eher dorthin aus, liefern "Anreize" - statt sich endlich der rasant zunehmenden Not an der Basis zu stellen.

Die überaus negativen bzw. sogar bedrohlichen sozialen Konsequenzen daraus sind klar - den Politikern wohl auch.

Ein Zufall?

G.K., 1.11.2008