Wozu noch Rot? Stimmen zur Krise der Linken (25.11.2018)

 

https://kurier.at/politik/inland/wozu-noch-rot-stimmen-zur-krise-der-linken/400334259

Zitat: In ganz Europa ist die Linke in der Krise. Wozu braucht es die Sozialdemokratie überhaupt noch? ... Schon die Frage zeigt den Zustand der Sozialdemokratie. Das hätte sich keiner von Victor Adler bis zu seinen Nachfolgern je gedacht. ... Sehr viele fühlen sich als Opfer und sind es wohl auch. Das Hauptübel dieser Parteien ist das starre Beibehalten paternalistischer Sprache und Strukturen ,von oben nach unten‘.  ... Wer braucht noch Rot? Wir alle, die wir an das Recht des Schwächeren glauben. Die wir an die gelebte Utopie des Miteinander glauben – das doch immer wieder gelingt. Die Angst vor diesem Miteinander ist inzwischen erschütternd groß; alles strebt auseinander, so scheint es; eine gegenläufige Bewegung greift kalt in den ganzen Raum; die Gesellschaft sucht Kälte – so fühlt es sich an. Wie ein kaltes Fieber, das ich mir nicht erklären kann. ... Wozu man Rot noch braucht, weiß jeder intelligente Mensch. Wenn es die Sozialdemokratie nicht weiß, soll sie mich anrufen. ... Eine starke Sozialdemokratie sichert flächendeckende Kaufkraft, ohne die der Kapitalismus zugrunde ginge. ... ,Das sozialdemokratische Zeitalter ist nicht vorbei.‘ Aus meiner Sicht ist ein Zeitalter sogar generell gänzlich fehlgeleitet, das nicht (um die beiden Begriffe noch einmal separat zu verwenden) ,sozial‘ und ,demokratisch‘ ist. Ich möchte ungern in einem solchen leben.

 

Die Krise der Linken ist einfach zu erklären! Es beginnt mit dem alten und leider ach so richtigen englischen (hier übersetzten) Spruch "Der Mann auf der Straße hat keine Lobby". Richtig, weil seitens dieser Menschen fehlt das große Geld, um sich über potente Lobbys das gewünschte Stimmverhalten der Politiker zu sichern.

Daher werden für diese Menschen nur Entscheidungen getroffen werden, solange Idealisten in der Politik tätig sind. Vor allem Menschen, die der Verlockung des Geldes widerstehen und mehr über gute politische Lösungen nachdenken statt darüber, welches der vielen Schlupflöcher und Hintertürchen dieses Mal zur vor dem Auffliegen gesicherten Leitung der Finanzströme genutzt werden soll.

Und leider halten sich die Idealisten von der "schmutzigen Politik" fern - was uns als Gesellschaft und Spezies leider umbringt.

Sie überlassen damit das Feld jenen schon über Generationen durch Parteigehorsam und nach Wasserträger-Erprobung herangezüchteten Berufspolitikern, die eben diese Politik tagtäglich noch viel schmutziger machen. Opportunismus und Egomanie regieren die Politik, nicht der Idealismus, der Sinn für das Ganze und das Gespür für die WIRKLICHEN Notwendigkeiten der Zukunft.

Letzteres wird uns nur über beeinflusste Medienarbeit vorgegaukelt. Es wird uns subliminal nahegebracht, was wir wollen sollen! Und es wird so eine Gesellschaft herangezüchtet, die auf das mehr gibt, als auf die eigene innere Stimme, das Herz und die Logik.

Auf diese Weise haben die Berufspolitiker leichtes Spiel mit uns. Ja selbst die Aggression kann so perfekt gesteuert werden - wann, gegen wen ... und wie man das gegen uns selber zum Weiterdrehen der Stellschrauben nützen kann. Weil man uns ja leider vor uns selber beschützen muss!!

Warum hat die Linke dabei das größere Problem und verliert mehr an Glaubwürdigkeit?

Weil von der konservativen Seite ja die Interessenwahrung für die Wirtschaft und das große Geld erwartet wird. Die erfüllen ja zum Teil ihre Wahlversprechen! Die können vorher ja ruhig sagen, dass sie dieses oder jenes zur "Sicherung des Wirtschaftsstandorts" vorhaben. Ihre Wähler werden ihnen dafür nicht böse sein. Dass das alles zu kurzsichtig gedacht und ein Schuss ins eigene Knie war stellt sich ja erst Jahrzehnte später heraus!

Wie ist das bei Links? Den kleinen Leuten muss ja etwas ganz anderes vor der Wahl versprochen werden, damit man gewählt wird. Folgt man dann - wenn in der Regierungsmehrheit - ebenso dem Einfluss der Lobbys, schaut es nach der Wahl mit der Einhaltung dieser Versprechen ganz, ganz schlecht aus.

Bestenfalls kann man einen koalitionären Stillstand statt einer weiteren Verschlimmerung erwarten. Genauso fatal, wenn einmal die Schieflage genügend groß ist. Die Kugel in dieser Form von gesellschaftlich-russischem Roulette rollt ja dann von selber weiter nach unten.

Und das zweite Problem der Linken? Die Zersplitterung! Die konservative Seite ist ja das Lobbyieren gewohnt. Da verständigt man sich auf einen gemeinsamen Nenner und macht gemeinsame Sache. Bei den Linken? Da ist der weniger linke Linke oft ein zumindest ebensolcher Feind wie der Erz-Rechte! "Weil nur WIR sind wirklich links!"

Wenn dann noch ein Gutteil des linken Potentials in einer Großpartei geparkt ist, die nur dann wirklich links ist, wenn sie in der Opposition eh nichts zu sagen hat und wo die treuen Anhänger - eigentlich längst wider besseren Wissens - auf den Messias oder ein Wunder hoffen (Messias ist derzeit aus und auch bei Wundern gibt es einen akuten Lieferengpass bis 2099), reduziert sich jedes Einzelpotential der sich politisch engagierenden Kräfte auf "mit dem Elektronenmikroskop erahnbar".

So schaut's aus - und: Schön ist anders!