Vorstand zum Schleuderpreis (30.11.2008)

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Die Original-Meldung von damals:

Zehn Mio. Euro Vergütung für Siemens-Chef
Vorstand erhielt insgesamt 36 Mio. Euro

Siemens-Chef Peter Löscher hat für das vergangene Geschäftsjahr eine Gesamtvergütung von fast zehn Mio. Euro erhalten. Zum Bargehalt von rund 7,4 Mio. Euro summierte sich eine aktienbasierte Vergütung von 2,5 Mio. Euro, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht.

In der Barkomponente seien auch 1,3 Mio. Euro enthalten, die Löscher bei seinem Umzug von den USA nach Deutschland erhalten habe.

Nach dem Konzernchef erhielt der neue Rechtsvorstand Peter Solmssen am meisten. Seine Gesamtvergütung belief sich auf gut fünf Mio. Euro. Darin ist ähnlich wie bei Löscher eine Ausgleichszahlung von 1,7 Mio. Euro enthalten, die ebenfalls auf die Übersiedlung zurückzuführen sei. Aufgrund seines Wechsels vom Konkurrenten GE flössen zudem 10,6 Mio. Euro in seine Altersversorgung.

Durch die Verkleinerung des Vorstands auf zunächst acht von zuvor elf Mitgliedern sank der Gesamtaufwand für dessen Vergütung auf 36 Mio. Euro von zuvor 42 Mio. Euro.

Einige ehemalige Vorstände erhielten noch Millionenabfindungen. Eduardo Montes bekam 6,1 Mio. Euro, seine einstigen Kollegen Rudi Lamprecht, Uriel Sharef und Klaus Wucherer jeweils 3,4 Mio. Euro.

 

Der Kommentar des Proponenten von damals dazu:

Also lasst mich einmal rechnen:
Acht von elf Mitgliedern sind etwa 72 Prozent.
36 von 42 Millionen sind etwa 85 Prozent.

Das heißt: 72 Prozent der Vorstandsmitglieder haben sich 85 Prozent der ursprünglichen Gage ausbezahlt. Und reden wir einmal nicht von der Lappalie von 16,3 Millionen für die ehemaligen Vorstände.

Na, das hat sich doch ausgezahlt!

Wohl mit Recht - denn Siemens hat ja keine Probleme und der Vorstand steht tadellos da. Oder?

Restrukturierung belastet Siemens
Der Konzernumbau von Vorstandschef Peter Löscher hat Siemens im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 tief in die roten Zahlen gedrückt. Der Verlust nach Steuern betrug 2,4 Milliarden Euro, wie der Münchener Technologiekonzern am Donnerstag mitteilte.
Volle Auftragsbücher
Im Vorjahresquartal war ein Fehlbetrag von 74 Millionen Euro entstanden. Der Umsatz sei um sieben Prozent auf 21,7 Milliarden Euro gestiegen. Die globale Konjunkturflaute hinterließ bisher kaum Spuren in den Auftragsbüchern des Konzerns. Das Volumen der Orders kletterte um vier Prozent auf 22,2 Millionen Euro.
Das operative Ergebnis der drei Siemens-Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik betrug im abgelaufenen Quartal (Juli bis September) einschließlich Restrukturierungskosten von 325 Millionen Euro rund 1,5 Milliarden Euro und lag damit im Rahmen der Analystenerwartungen. Die Sonderkosten für die Trennung von Sparten, den Kapitalstock der neuen Siemens-Stiftung, Stellenabbau und Rückstellungen für Korruptionsstrafen betrugen fast vier Milliarden Euro.
VDO-Verkauf rettet Nettogewinn
Im Gesamtjahr profitierte Siemens allerdings vom Verkauf der Autozuliefersparte VDO an Continental. Der Nettogewinn kletterte 2007/08 verglichen mit dem Vorjahr um fast die Hälfte auf 5,9 Milliarden Euro. Der Umsatz legte im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 77,3 Milliarden Euro zu. Die Dividende soll wie im Vorjahr 1,60 Euro je Aktie betragen.

http://futurezone.orf.at/stories/1500108/

Schmiergeldskandal kostet 2,5 Mrd. Euro
Die Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre hat den deutschen Elektrokonzern Siemens seit deren Beginn vor zwei Jahren 2,5 Milliarden Euro gekostet.
In der Summe sind auch die Rückstellungen für noch erwartete Strafen der amerikanischen und deutschen Behörden enthalten, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Hinzu kommt allerdings die erfolgte Steuernachzahlung von 520 Millionen Euro.
Vor einer Woche hatte Siemens erklärt, dass man sich wegen des Schmiergeldskandals auf Strafen in Höhe von rund einer Milliarde Euro einstelle. In der Vergangenheit war Siemens Österreich in Medien mehrfach als eine der Drehscheiben für die vermeintlich dubiosen Geschäfte genannt worden. Das Unternehmen hat das stets energisch zurückgewiesen.

http://futurezone.orf.at/stories/1500103/

Geständnisse im Siemens-Prozess
Im zweiten Prozess um die schwarzen Kassen bei Siemens haben die beiden Angeklagten umfassende Geständnisse abgelegt.
Im Gegenzug stellte ihnen Richter Peter Noll am Dienstag Bewährungsstrafen in Aussicht. Der jüngere der beiden Angeklagten, dem allein 88 Fälle der Beihilfe zur Untreue zur Last gelegt werden, kann mit einer Bewährungsstrafe von unter zwei Jahren und einer Geldbuße rechnen.
Dem anderen Beschuldigten, der laut Anklageschrift noch nach seiner Pensionierung bei einigen Schwarzgeldtransfers mitgeholfen haben soll, wurde eine Strafe von weniger als einem Jahr in Aussicht gestellt. Ein Urteil des Landgerichts München wird noch diese Woche erwartet.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden mehrere Millionen Euro beim Münchner Technologiekonzern abgezweigt und bei Tarnfirmen oder auf Auslandskonten geparkt. Mit dem Geld sollten Amtsträger und Geschäftspartner beispielsweise in Nigeria und Russland bestochen werden.
Bereits im Sommer stand Reinhard Siekaczek, der frühere Direktor der Siemens-Festnetztechniksparte, vor Gericht. Er hatte die Praxis der schwarzen Kassen gestanden und detaillierte Angaben zum weit verzweigten Korruptionsnetz gemacht. Dafür war er mit einer Bewährungs- und Geldstrafe davongekommen und tritt nun im Prozess als Zeuge auf.

http://futurezone.orf.at/stories/1500183/

Unruhe bei Siemens PSE Österreich
Die Beschäftigten der Software-Sparte PSE von Siemens Österreich machen gegen einen angeblich geplanten, aber von der Konzernführung dementierten Mitarbeiterabbau mobil.
Am Donnerstag findet eine großangelegte Betriebsversammlung inklusive Protestumzug in Wien statt.
Bereits 2006 und Anfang 2007 kam es zu Protesten, die in einem Kompromiss ohne Kündigungen endeten. Zwischen Oktober 2007 und September 2008 wurden daraufhin 530 Mitarbeiter durch natürliche Fluktuation abgebaut.
Siemens Österreich dementiert
Nun soll es einen nächsten Anlauf für Stellenstreichungen geben, so der Betriebsratsvorsitzende Ataollah Samadani. Gefährdet sollen aktuell 500 Mitarbeiter sein, durch geplante Strukturänderungen weitere 500 bis 1.000.
Bei Siemens kann man die Aufregung nicht verstehen. Umstrukturierungen, Redimensionierung der PSE, Kündigungen oder eine Zerschlagung seien derzeit kein Thema, so Sprecher Harald Stockbauer zum "Standard" [Montag-Ausgabe].
Bei Siemens PSE arbeiten hierzulande 2.400 Mitarbeiter, weltweit sind 5.000 Personen in der Programm- und Systementwicklung [PSE] aktiv.

http://futurezone.orf.at/stories/319382/

Siemens-Einigung mit BenQ-Mobile-Gläubigern
Der Siemens-Konzern hat sich mit dem Insolvenzverwalter seiner ehemaligen Handysparte BenQ Mobile auf die Zahlung von 255 Millionen Euro geeinigt.
Brutto leiste Siemens eine Zahlung von 300 Millionen Euro, nach Abzug der eigenen offenen Forderungen ergebe sich ein Betrag von 255 Millionen Euro, teilte der Konzern am Dienstag mit.
"Ausreichend Rücklagen"
Für den Vergleich gebe es bereits ausreichend Rücklagen im vergangenen Geschäftsjahr, so dass der Gewinn des laufenden Geschäftsjahrs davon nicht negativ beeinträchtigt werde, hieß es in der Mitteilung.
Der frühere taiwanesische Elektronikkonzern BenQ Corp., der heute unter dem Namen Qisda firmiert, hatte die verlustreiche Handysparte 2005 von Siemens übernommen, dem Unternehmen dann aber den Geldhahn abgedreht und es damit in die Pleite geschickt. Mehr als 3.000 Beschäftigte in Deutschland verloren dadurch ihren Job.
Klage angedroht
Insolvenzverwalter Martin Prager hatte zuletzt eine Klage gegen Siemens vorbereitet. Zur Begründung hatte es geheißen, im Zusammenhang mit dem Ausgliederungsvertrag an BenQ seien eine Reihe von Bewertungsfragen offen geblieben.

http://futurezone.orf.at/stories/1500386/

Wenn man angesichts dessen die Politiker eine gewisse Moral von Managern einfordern hört, kommt einem das Kotzen. Es ist vielmehr als ein Zeichen zu sehen, dass einer der Ex-Manager "Wucherer" heißt!

G.K., 30.11.2008