Von der Einkommensschere filetiert (31.12.2008)

  • von

Zitate aus dem EINKOMMENSBERICHT 2008 (Kurzfassung):

Entwicklung der hohen und niedrigen Einkommen im Vergleich: Der Vergleich der Entwicklung der unteren und oberen Einkommen zeigt, dass die Einkommensschere bis 2005 auseinander geht. 1998 lagen die niedrigsten 10% der Einkommen (10%-Quantil) unter 2.486 EUR, 2007 betrug der entsprechende Wert 2.583 EUR – das entspricht absolut einem Anstieg von nur 3,93% in neun Jahren. In sieben von neun Jahren liegt der absolute Wert sogar unter dem Vergleichswert von 1998.

Zwar stieg das 10%-Quantil bei den Frauen von 1.712 auf 1.980 EUR (um 15.64%), bei den Männern war aber ein Rückgang um 10,79% (von 4.097 auf 3.639 EUR) zu diagnostizieren. Bereinigt um die Inflation ergibt das einen Rückgang der unteren 10% der Einkommen auf 88% des Vergleichswertes von 1998 für Frauen und Männer insgesamt, bzw. auf 98% für Frauen und 76% für Männer.

Die oberen 10% der Einkommen haben im Gegensatz dazu nominell um 24,09% zugenommen (von 41.987 EUR auf 52.102 EUR), wobei der Anstieg der Einkommen der Männer (24,36%; von 48.954 EUR auf 60.879 EUR) hier im Gegensatz zu den niedrigen Einkommen nur leicht unter dem Anstieg der Einkommen der Frauen lag (25,77%; von 32.188 EUR auf 40.484 EUR). Gemessen am VPI entspricht das einem inflationsbereinigten Anstieg der oberen 10% der Einkommen um insgesamt 5% (Männer 5%, Frauen 7%).

Auch ein Blick auf die Quartilsgrenzen zeigt den Trend, dass niedrige Einkommen sinken, während hohe Einkommen steigen. Inflationsbereinigt sinkt das erste Quartil (entspricht dem Grenzwert, unter dem die 25% der niedrigsten Einkommen liegen) im Jahr 2007 auf 92% des Vergleichswertes von 1998, das dritte Quartil (Grenzwert der höchsten 25% der Einkommen) steigt im Bezugszeitraum auf 104% des Wertes von 1998 an. (Seite 19 unten, Seite 20 oben)

Auffällig ist, dass selbst in der – im Hinblick auf das Einkommen – positiv selektierten Gruppe jener, die von 2000 bis 2005 ohne Bruch in der Erwerbsbiographie beschäftigt waren, noch immer zahlreiche Personen mit inflationsbereinigten Einkommensverlusten zu finden sind. 28% der ArbeiterInnen, 20% der Angestellten (inkl. Vertragsbedienstete und 13% der BeamtInnen hatten in den Jahren 2000 bis 2007 durchschnittliche jährliche Einkommenszuwächse unter der durchschnittlichen Inflationsrate desselben Zeitraums. (Seite 20, Mitte)

Entwicklung der mittleren Bruttojahreseinkommen und des Verbraucherpreisindex: Die Wachstumsrate des Medianeinkommens für Frauen lag in 5 von 9 Jahren unter dem entsprechenden Jahreswert des Verbraucherpreisindex (VPI), für Männer war das 4 Mal der Fall (2002 entsprach die Wachstumsrate des mittleren Männereinkommens der Inflationsrate). In den letzten beiden Jahren lag die prozentuelle Einkommenssteigerung wieder über dem VPI und so ist das Medianeinkommen nach einem Wertverlust in den Jahren 2003 bis 2006 im Jahr 2007 inflationsbereinigt gleich viel "wert" wie 1998. (Seite 17, unten)

EINKOMMENSBERICHT 2008 (Langfassung)

EINKOMMENSBERICHT 2008 (Statistischer Annex)

Quelle: http://www.rechnungshof.gv.at/berichte/ansicht/detail/einkommensbericht-20081.html

 

Nicht wirklich verwunderlich: Die oberen Einkommen sind - schon inflationsbereinigt - um 5 bis 7 Prozent gestiegen, während die untersten Einkommen auf 88% des Wertes von 1998 (!!) abgesackt sind. Und auch da sollte man bedenken, dass sich innerhalb der obersten und untersten Prozentbereiche der Einkommen gewaltige Spannen auftun.

Die inflationsbereinigte Entwicklung der Durchschnittseinkommen deutet darauf hin, dass auch im mittleren Einkommensbereich - verglichen mit 1998 - bestenfalls eine schwarze Null zustande kommt.

Jetzt einmal abgesehen davon, dass 5 - 7 % plus bei den Top-Einkommen einen absoluten Wertzuwachs ergeben, mit dem es sich "sehr bequem" leben lässt - und abgesehen davon, dass schon eine geringe Einbuße bei den Einkommen der Ärmsten eine massive Bedrohung der Existenzfähigkeit bedeutet - und abgesehen davon, dass man bezweifeln darf, ob hier auch alle Bonifikationen für das Top-Management eingeflossen sind - auch abgesehen davon, dass die reinen Einkünfte aus dem Kapitalmarkt in diesem Zeitraum (insbesondere für die Top-Verdiener aus dem "Shareholder-Value") NICHT in dieser Darstellung enthalten sind:

  • Glaubt tatsächlich noch irgendwer, dass sich dieses Gesellschaftsprinzip mit einem derartigen Umverteilungssystem in irgendeine nahe Zukunft retten lässt?
  • Hat tatsächlich jemand soviel Phantasie, dass man den unteren und mittleren Einkommen noch einiges aus der Schieflage des Wirtschafts- und Finanzsystems aufbürden darf/kann - während sich die bisherigen Nutznießer aus der selbst-fabrizierten Misere klammheimlich davonstehlen?
  • Verwundert der Absturz der Verkaufszahlen im privaten Konsum tatsächlich noch irgendwen?
  • Meinen die Verantwortlichen allen Ernstes, dass sich dieser Schritt in ein Feudalsystem voriger Jahrhunderte bewerkstelligen lässt - und das angesichts unserer Informationsgesellschaft?

 

Wie sieht das Konzept dahinter aus?

G.K., 31.12.2008