Traktoren blockierten SPAR-Zentrale (27.2.2020)

 

https://noe.orf.at/stories/3036380/

Zitat: In St. Pölten fand am Mittwoch eine von österreichweit sechs Demonstrationen des Bauernbundes gegen die Handelskette SPAR statt. Vor dem Zentrallager fuhren mehr als 200 Traktoren auf, rund 800 Bäuerinnen und Bauern demonstrierten für höhere Preise für ihre Lebensmittel und gegen eine „Aktionitis“, wie Bauernvertreter kritisierten. ... Österreichs Bauernbundobmann Georg Strasser spricht wörtlich von „Aktionitis“ und fordert mehr Wertschätzung für die Erzeugnisse heimischer Bauern: „Das Verschleudern von Lebensmitteln entwertet diese Lebensmittel nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional. Deshalb wollen wir einen Österreich-Bonus, weil wir die besten Lebensmittel der Welt haben.“ ... An SPAR-Niederösterreich-Geschäftsführer Alois Huber übergibt er einen Forderungskatalog, den dieser aber nicht ganz nachvollziehen kann, sagte Huber, am Beispiel der Milch, wo zurzeit die Verhandlungen mit den Molkereien laufen: „Wir beziehen derzeit nur neun Prozent der österreichischen Milch in Form von Frischmilch, Käse oder Butter. 60 Prozent der Milch aber geht – ebenfalls zum Teil in Form von Käse oder Butter – ins Ausland. Im Ausland aber kann man diese Preise wie hier gar nicht lukrieren, also gibt es den Österreich-Bonus ja schon, den auch die Konsumenten zahlen.“ Huber verwies auf laufende Verhandlungen und eine grundsätzlich gute Basis mit der Bauernschaft, auf die er auch weiterhin hoffe, so Huber. Demonstrationen wie diese gebe es immer wieder, sagte er, und verwies auf die Landwirtschaftskammerwahl am Sonntag.

 

Zitat dazu aus dem ZIB2-Bericht vom 26.2.2020: ".... der ÖVP-Bauernbund hatte zu den Protesten aufgerufen."

Gestern gab es also vorwiegend vor Zentrallagern der Firma SPAR Proteste von österreichischen Bauern bezüglich der Preisgestaltung ihrer Produkte.

Dass die Landwirte als Produzenten kaum Preise für ihre Produkte erhalten, die ihre Kosten tatsächlich abdecken, ist bekannt. Und dass hier große Agrarhändler und Konzerne sowie Handelsketten meist einen immensen Preisdruck auf die Landwirte ausüben, ist auch nicht neu. Das ganze System von Förderungen und Preisgestaltung ist ein in sich höchst eigenwilliges!

Interessant ist aber, dass der ÖVP-Bauernbund hier die Landwirte gerade jetzt zu den Demonstrationen aufgerufen hat.

Ach, es sind ja in Kürze Landwirtschaftskammerwahlen!

Ist nicht gerade die ÖVP in der Regierung, sowohl im Land Niederösterreich als auch im Bund? Ist nicht ebendiese ÖVP auf der Gegenüberseite der Landwirtschaftskammer - in der Wirtschaftskammer - ebenfalls am Ruder?

Haben wir etwas verpasst?

Ist das nicht überall ein- und dieselbe Partei?

Warum handelt die ÖVP dann nicht als Partei in diesen Gruppen und Gremien? Warum stiftet sie in der einen Gruppe dazu an, gegen die andere Gruppe zu demonstieren - wo sie doch auf allen relevanten Ebenen dafür das Sagen hat?

Es dürfte wohl reiner Aktionismus vor Wahlen sein, um zu signalisieren: "Liebe Landwirte, schaut! Wir machen was, medienwirksam.....WÄHLT UNS!!!"

Es ist Aktionismus, der rein einer Partei dient - und wo man eine Gruppe von Betroffenen instrumentalisiert, um selbst gut dazustehen!

Mehr kann es nicht sein, denn sonst hätte die ÖVP im Moment fast auf allen Ebenen den nötigen Einfluss für eine tatsächliche Verbesserung.

Und wer bei diesem Thema in Wahrheit dann gar nicht bereit ist, tiefgreifend das System zu verändern, der wird keinerlei nachhaltige Verbesserung für Landwirte bringen können!