Staat oder Privat – wirklich eine Frage? (2.11.2008)

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Eigentlich eine ziemlich blöde Frage - würde sie nicht diskutiert werden!

Spätestens mit dem endgültigen Zusammenbruch des Sowjet-Systems war es "Pfui", das Wort "Staat" auch nur in den Mund zu nehmen. Es stand für Mißwirtschaft, Unfähigkeit, Bürokratie und Verschwendung.

Dass jetzt auf einmal mit einem Schlag alles anders ist, mag viele verwundern.
Mich nicht!

Wer ist denn "der Staat"?

Der Staat steht in Wirklichkeit für unsere Gesellschaft, die soziale Ordnung, die Gemeinschaft, für den Zusammenhalt.

Wofür stand im Gegensatz dazu "Privat(isierung)"?
Nein, ich meine jetzt nicht theoretisch - sondern praktisch!

"Mehr privat, weniger Staat" stand erst einmal für "Halte Dich da raus!" - also für eine Deregulierung, in so gut wie allen Bereichen.

Wobei zu bedenken ist, dass man in der Gesellschaftsentwicklung die Reichen und Mächtigen niemals hat schützen müssen. Die nahmen sich - wenn man sie ließ - immer, was ihnen gerade in den Kram passte. Die Ergebnisse sahen dementsprechend aus - und das tun sie heute auch. Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt. Mahatma Gandhi (1869 - 1948).

Eine stabile Gesellschaftsordnung im Sinn eines friedlichen Miteinander entwickelte sich immer erst, wenn diesem Bestreben klare Grenzen gesetzt wurden. Das ist die eigentliche Kernaufgabe des Staates!

In dem Sinn war es fatal, dass der Kommunismus - obwohl längst als Etikettenschwindel zur reinen Diktatur verkommen - als Gegenpol zur oligarchen Deregulierung weggefallen ist. Es war das GO zum GAU!

Ab diesem Zeitpunkt nämlich fühlten sich die Oligarchen (witzigerweise die in der ehemaligen Sowjetunion ganz besonders) bemüßigt, den Staat als Regulator zum Schutz der Kleineren (und daher negativ betroffenen) weitestgehend auszuschalten. Alle Macht den Mächtigen - und das so offen und teilweise sogar kriminell, dass einem schlecht wird!

Ob der Kommunismus (eigentlich eher der Marxismus) je hätte funktionieren können? Die Ergebnisse - nicht aus der Theorie heraus, sondern aus der charakterlichen Grundprägung des Menschen bedingt - sprechen dagegen. Schade - fast schon tragisch!

Der Kommunismus ist tot .... der Kapitalismus aber auch - nur hat's dem noch keiner gesagt!

"Privat(isierung)" stand auch für eine recht preiswerte Umverteilung von Staatsbesitz - also dem, was eigentlich uns allen gemeinsam gehört (hat). Die Einmaleffekte aus dieser Verschleuderung an ganz bestimmte Schichten haben nicht einmal einigermaßen ein Pölsterchen für das geschaffen, was nun an Unbill aus diesem Trend "gemeinsam" zu ertragen sein wird.

Und jetzt - wo dieses Unbill klare und sehr dunkelschwarze Schatten vorauswirft, ist auf einmal wieder der "Staat" gefragt. Also im Klartext: Wir alle!

Eine einfache Methodik: Die Vorteile des momentan vorherrschenden Systems werden nach dem Prinzip der "Privatisierung" verteilt - die Nachteile daraus "verstaatlicht".

Privat oder Staat?

Eigentlich eine ziemlich blöde Frage - würde nicht das geschehen, was unter diesem Deckmäntelchen tatsächlich geschieht ...!

G.K., 2.11.2008