Nein zum Leben!? (30.11.2008 – 5.1.2009)

 

http://religionv1.orf.at/projekt03/news/0811/ne081129_schoenborn.htm

http://stephanscom.at/artikel/a15468/

Kardinal Christoph Schönborn im Interview mit "Orientierung": „Die Pille ist de facto ein Nein zum Leben“

Wiener Erzbischof kritisiert Haltung seiner Vorgänger zu künstlicher Empfängnisverhütung
Aufregung um eine Predigt, die Kardinal Schönborn im März in Jerusalem gehalten hat und die jetzt öffentlich bekannt geworden ist: Europa hätte in den letzten 40 Jahren drei Mal Nein zum Leben gesagt – erstens durch das Ablehnen der Enzyklika Humanae vitae, in der Papst Paul VI. das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung festgelegt hat, zweitens als die Abtreibungsgesetze Europa überschwemmt haben und drittens mit der Zustimmung zur Homosexuellen-Ehe, so Schönborn in seiner Predigt.

Vorwurf an Vorgänger im Bischofsamt
Den Vorwurf „Nein zum Leben“ richtet der Wiener Erzbischof auch an seine Vorgänger im Bischofsamt. Österreichs Bischöfe hätten gesündigt, als sie vor 40 Jahren Paul VI. nicht entschieden genug gefolgt sind: „... weil wir keinen Mut hatten, veröffentlichten wir die ‚Mariatroster Erklärung‘ ... dies hat im Volk Gottes den Sinn für das Leben geschwächt ... auch wenn wir damals nicht Bischöfe waren, müssen wir diese Sünde des Episkopats bereuen ... .“ In der Mariatroster Erklärung hatte die Österreichische Bischofskonferenz die Anwendung künstlicher Empfängnisverhütung zur Gewissensfrage erklärt. Wer nach ernsthafter Prüfung der Frage zu einer vom lehramtlichen Urteil abweichenden Überzeugung komme, dürfe dieser Überzeugung auch folgen.

„Die Pille ist de facto ein Nein zum Leben“
Ob die Mariatroster Erklärung zurück genommen werden soll? In dieser Frage will sich Kardinal Schönborn im Interview mit Orientierung nicht festlegen. Aber er hält fest: „Die Pille ist de facto ein Nein zum Leben“.

 

Hat die Kirche, gerade diese katholische Kirche ein Recht, Empfängnisverhütung und Abtreibung als "Nein zum Leben" zu verurteilen?

Die Frage, ab wann Leben beginnt, ist sicher eine heikle - ebenso wie die, wann es endet oder wie es enden darf. Die Diskussion daüber, wie man in diesen Grenzbereichen verfahren darf, was die Ethik erlauben oder verbieten soll, ist eine der sensibelsten.

Aber da sprach einer, ein bestimmter aus Nazareth: "Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein auf sie!"

Sollten in diesem Sinn zu so einem folgenschweren Thema nicht bloß die eine restriktive Haltung einnehmen, die in jenem Bereich vorbildhaft agieren, in dem man NICHT darüber zu diskutieren braucht, ob man es mit Leben zu tun hat oder nicht?

Ohne Fehler? Also, ich bin's sicher nicht!

Ist es die Kirche? Ist es der "Stellvertreter Gottes" auf Erden?

Ist es moralisch, Leben durch ein Verbot von Empfängnisverhütung und Abtreibung zu erhalten, um es dann dem Hungertod, dem Siechtum, dem Krieg und der Gewalt auszuliefern? Tut diese Kirche genügend, um so ein Schicksal der "Überlebenden" auszuschließen?

Die Kirche tut einiges, zugegeben. Aber alles, was in ihrer Macht steht? Was wäre möglich, wenn man auf den Pomp im Vatikan und in den Bistümern (Diözesen) verzichten würde? Wieviel wäre möglich, wenn man nicht Unsummen dafür aufwenden müsste, die sexuellen Übergriffe von Geistlichen "aus der Welt zu kaufen"? Was an Gewalt in der Dritten Welt wäre abzuwenden, wenn die Kirche ihren Einfluss auf die besonders reichen Schäflein im sogenannten "Bible belt" geltend machen würde?

Und dabei ist noch gar nicht die Rede davon, wie diese Kirche mit dem "Leben" Andersdenkender oder Andersseiender in früheren Zeiten umgegangen ist!

"Wer ohne Fehler ist, ...!"

Ich bin es ebensowenig, wie Ihr das seid!

G.K., 1.12.2008

 

Schönborn will Verhütung neu diskutieren
Kardinal Christoph Schönborn will Empfängnisverhütung und Fristenlösung neu diskutieren. Die älter werdende Gesellschaft zeige, dass es einen anderen Umgang mit dem werdenden Leben brauche, sagte Schönborn in Vorarlberg.

Folgen für die Gesellschaft
Vor 40 Jahren sei diese Entwicklung noch nicht absehbar gewesen, so Kardinal Christoph Schönborn bei seinem Vorarlberg-Besuch. Hätte man damals gewusst, welche Konsequenzen allein die Empfängnisverhütung auf die Gesellschaft haben würde, wäre wohl anders entschieden worden, so der Kardinal: "Dort wo Kinder nicht empfangen werden, sind sie nicht da. Machen wir uns doch nichts vor."

Kein klares Nein zu Pille und Abtreibung
Schönborn fordert mehr Unterstützung für ungewollt Schwangere. Konkret will er etwa, dass der "Diözesane Hilfsfonds für Schwangere in Not" vom Staat verdoppelt wird. Immerhin sei damit bisher 12.000 Kindern zum Leben verholfen worden.
Ein klares Nein zu Pille und Abtreibung will Schönborn aber nicht abgeben: "Das ist hier nicht das Thema. Ich sage: Verantwortung heißt verantwortete Offenheit für das Leben, und diese Frage müssen wir uns alle stellen in unserer Gesellschaft."

"Vorbild Frankreich"
Schönborn plädiert für eine kinderfreundlichere Gesellschaft nach dem Vorbild Frankreich. Dort mache die steuerliche Entlastung ab dem dritten Kind vielen Familien Mut zu mehreren Kindern. Ansonsten werde das Pensionssystem nicht mehr finanzierbar. Eine "Gesellschaft der Ich-AG", beraube sich selbst der Zukunft, so Schönborn.

https://vbgv1.orf.at/stories/332768

 

Herr Kardinal, was ist denn Ihr Aufhänger, das Thema aufzuwärmen? Die alternde westliche Gesellschaft, die zum Problem wird?

Und die verhütungsfrei explodierende - und dann verhungernde, an AIDS sterbende - Bevölkerung in der Dritten Welt ist keines?

Hat der Herr Kardinal bedacht, dass für die gewünschte höhere Kinderzahl weder genügend Arbeit noch genügend Geld da ist? Letzteres nicht nur in der ungewollten Schwangerschaft der Mutter, sondern über Jahrzehnte - und das von der Spitze unserer "christlich orientierten" westlichen Gesellschaft ganz bewusst so herbeigeführt!

Hat der Herr Kardinal - im Vergleich zum 30.11.2008 - wenigstens in einer Hinsicht umgedacht, wenn er meint: Ein klares Nein zu Pille und Abtreibung will Schönborn aber nicht abgeben: "Das ist hier nicht das Thema ..." ?? Wohl nicht - es ist hier nur nicht das Thema.

Dieselbe Botschaft, derselbe Zugang - nur anders aufgezogen!

G.K., 5.1.2009