Nachteile und Chancen der Globalisierung (30.11.2008)

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Die Globalisierung bringt Chancen? Echt? Auch heute noch?

Also, früher hätte ich das glatt bestritten - aber gerade heute bietet die Globalisierung tatsächlich eine ungeheure Chance, ...

... nämlich die, dass es auch für die Top-Verdiener und Super-Reichen aufgrund der globalen Dimension des selbst verursachten Finanzdesasters keinen Platz und kein sicheres Lager für das abgezogene Geld mehr gibt. Auch diese Leute haben mit ihrer eigenen Kreation plötzlich gewaltig zu kämpfen. Natürlich auf anderem finanziellen Niveau und mit anderem Anspruch an das Ergebnis: Die Leute "da unten" wollen bloß überleben - die anderen weiterhin mehr als 30 Prozent plus für ihr Geldsäckel.

Aber die Finanzkrise hat im sogenannten "Investorenverhalten" zeitweise sehr schön gezeigt, dass die Herrschaften schön langsam selbst nicht mehr wissen, wohin sie sich vor der eigenen Misere flüchten sollen. Und das ist eine (zugegeben: nicht gerade riesige) Chance, dass sich tatsächlich etwas verändern könnte - wenn man die Situation den richtigen Leuten richtig und rechtzeitig klar macht. Denn auf einmal wird das eigene System überaus unzuverlässig.

Das Wirtschafts- und Finanzsystem ist mit einem riesigen Krach weggebrochen - es existiert in der Form nicht mehr, die vor kurzem noch als unantastbar dargestellt worden ist.

Und wer ein wenig weiter denkt, der wird erkennen, dass die beiden anderen Eckpunkte unserer Existenz - das Sozialgefüge und die Umwelt - in allernächster Zeit folgen werden.

Fragt sich bloß: Welcher Eckpunkt zuerst?

Obwohl die Natur in Sachen "Vernichtung alles Lebens" gewaltig Gas gibt, tippe ich doch noch auf den sozialen Faktor, denn: Wenn die Super-Reichen 80 Prozent ihres Vermögens verlieren, sind sie immer noch super-reich. Verlieren die Menschen an der Basis bloß die Hälfte ihrer Existenzgrundlage, ist ihr Überleben mehr als fraglich. Die aus der sich deshalb noch weiter verbreiternden Kluft zwischen Arm und Reich resultierende Aggression - kombiniert mit einer überaus gefährlichen und angreifbaren Technologie, mit der wir uns umgeben haben - schafft ein globales Vernichtungspotential, aus dem es ohne radikalem Richtungswechsel kein Entrinnen gibt.

Mag sein, dass wir die wirtschaftliche Katastrophe mit einigen Schrammen übestehen, aber eine ökologische oder soziale, die ihre Zerstörungswut auf ein höchst gefährliches Environment loslassen kann: Nie und nimmer!

Was einem für dieses erforderliche Umdenken Kopfzerbrechen bereiten muss, ist nicht so sehr der sich erschütternd entwickelnde durchschnittliche Bildungsgrad der Superreichen. Früher waren die Reichen bzw. Adeligen wenigstens diejenigen mit einer hervorragenden Bildung. Heute sieht das ganz anders aus.

Es ist auch nicht in erster Linie der korrodierende Grad an Skrupel dort - offene Kriminalität ist ja für manche in dem Kreis längst kein Tabu mehr.

Es ist vielmehr der Umstand, dass das Herz, das Kernstück unserer Gesellschaft, die Politik eine erforderliche Veränderung zwar laut beredet und fordert, im Hintergrund aber zu blockieren oder gar zu hintertreiben scheint. Eine radikal veränderte Investitions- und Wirtschaftspolitik würde nämlich unter anderem vieles von dem in Frage stellen, was in der Politik und für Politiker selbst möglich ist und eine neue, völlig anders agierende Generation von Politikern erforderlich machen. Diese neuen Leute wären der Todfeind der alten.

Zumindest seit den letzten paar Wochen sitzt der eigentliche Hemmschuh, um etwas zu bewegen nicht mehr in der Top-Finanz und auf großen Geldsäcken. Das größte Hindernis ist die herrschende Politik - die für viele Superreiche aber auf einmal vom bisherigen Verbündeten zur Gefahr mutiert.

Das ist eine Chance, zumindest theoretisch ...!

 

P.S.: Und heute, fast 12 Jahre später fährt der Kahn immer noch in der selben Richtung weiter ....

Die Geschichte lehrt die Menschen, daß die Geschichte die Menschen nichts lehrt. (Gandhi)

G.K., 30.11.2008