Der Trick mit der Bad Bank (27.4.2014)

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http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/oesterreich/1560702/Bad-Bank-geplatzt-Hypo-wird-in-staatlicher-Anstalt-abgewickelt-

Den Artikel von damals gibt es nicht mehr - weil es die ganze Zeitung nicht mehr gibt. Was uns gerade beim "Wirtschaftsblatt" schon einmal zum Nachdenken bringen sollte.

Eine analoge Meldung dazu von damals - Zitat: Die ehemalige BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria International (HGAA) wird über eine Bad Bank abgewickelt. Der österreichische Finanzminister Michael Spindelegger erklärte, die Regierung habe sich für eine Abbaugesellschaft und gegen eine Insolvenz der maroden Kärntner Bank entschieden.

 

Chin Meyer erklärt die Vorgeschichte, wie es zu solchen "Lösungen" dann später kommt, hier recht anschaulich:

 

Nur fehlt einiges in dem Zusammenhang - nämlich dann, wenn das Problem von Geldinstituten selbst ausgeht. Nein, eigentlich nicht von den Geldinstituten, sondern von den "Erwartungen des Marktes". Im Klartext: Von der Gier der Aktionäre!

Geldgeber erwarten für ihr Geld: Geld! VIIIIEL Geld. Viel MEHR Geld. Am besten so viel Geld wie möglich!!! Was eigentlich kaum jemanden mehr überrascht, heutzutage. Oder?

Und daher bezahlen sie das Management der Aktiengesellschaften, in die sie ihr Geld stecken, nur wenn die ihnen dieses Geld erwirtschaften. Egal wie - wenn man als Aktionär dafür selbst nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann (was bei Leuten mit VIIIIIEEEEEL Geld sowieso selten genug passiert, selbst wenn das Gesetz diesbezüglich es klar vorsehen würde).

Nachdem die realen und legalen Möglichkeiten dafür aufgrund des geschlossenen Systems namens Erde samt Möglichkeiten der Verdrängung von Mitbewerbern schon ziemlich ausgeschöpft sind, werden die Manager für ihr Geld (auch VIIIEL Geld, wenn auch nicht VIIIIIIIIIEEEEEEL Geld) eben verhaltenskreativ.

Wie?

Einmal durch Bewertungen. Ein Beispiel: Wenn sich 2 Leute (Käufer und Verkäufer) darauf einigen, dass sie für ein Gemälde von mir (nein, ich kann nicht malen, zugegeben) 1 Million Euro über den Tisch wandern lassen würden, dann scheint dieser Wert so auf einmal flugs in den Vermögen auf. Kurios, was? Und "die Märkte" sind darauf gekommen, dass man dafür nicht einmal ein Gemälde des Nachwuchs-Picasso G.K. braucht. Dafür reicht auch ein leeres Blatt Papier. Ja, nicht einmal das - es geht auch ohne! So erzeugt man heutzutage auf den Märkten "Wert" - und macht sie zu einem handelbaren Produkt. Bis, ja bis (siehe Chin Meyer) jemand tatsächlich für ein Gemälde von G.K. (um zur Veranschaulichung bei diesem Beispiel zu bleiben) 1 Million Euro auf dem Tisch sehen will. Dann ist der Kreis der Verrückten wohl überschaubar - und die Blase somit geplatzt. Vorhersehbar, bloß ein Spiel auf Zeit. Und in der Hoffnung darauf, das Platzen des einen Bläschens durch ein neu aufgebautes (und zwangsläufig größeres, um laufend Gewinne zu erwirtschaften!) zu kompensieren und somit zuzudecken. Dann würde das Spiel noch eine kleine Runde lang weitergehen. Was es derzeit auch tut. Erinnert das irgendwie an ein (verbotenes!) Pyramidenspiel? Ist auch eines!

Dann der Trick mit Kreditvergaben / Ausleihungen gegen Zinsen: Was passiert da? Wenn die Kreditnehmer mit ausreichender Bonität (also die, die Kredite auch tatsächlich zurückzahlen können) einmal versorgt und keine solchen mehr da sind, die sich Geld ausleihen müssten, nimmt man - wegen des Drucks, Geschäfte und Gewinn zu machen - auch solche her, bei denen die Rückzahlung höchst fraglich ist. Solchen borgt man doch kein Geld!!! Oder doch??? Doch! Warum? Wieder ein Beispiel: Angenommen, ich borge einem versoffenen Sandler von der Straße die zitierte 1 Million Euro - gegen eine horrende Verzinsung (ist ja auch das Risiko hoch). Klar zahlt der Sandler diese Zinsen nicht, ja nicht einmal das Kapital zurück, sondern wandert damit zum nächsten Branntweiner und gibt dort einen hochprozentigen Dauerauftrag. Aber: Die Gewinnerwartung landet unter Umständen - direkt oder über Umwege - in den Büchern der Bank. Wenn der schlaue Sandler die ersten Raten (samt Zinsanteil) nicht auch mit versäuft, sondern aus dem erhaltenen Kapital für die erste Zeit zurückzahlt, sind da ja auch scheinbar reale Zinseinnahmen (dass es aus dem eigenen Geld der Bank bezahlt ist stellt sich ja erst später heraus). Und aus diesen Gewinnerwartungen oder scheinbaren Gewinnen werden den Aktionären Dividenden bezahlt. Und die Manager erhalten ihre Boni deswegen. Alles bestens - scheinbar. Kurzfristig. Und bis zum Crash sind die Manager oder Aktionäre sowieso meist schon ganz woanders engagiert. Schließlich wissen sie ja, was da kommt - und sogar ungefähr wann. Nein, natürlich werden nicht Sandler bei solchen Kreditvergaben bedient. Das wäre ja ZU offensichtlich. Meist sind es vielfach verschachtelte Kapitalgesellschaften mit irgendeinem grundsätzlich toll klingenden Unternehmenszweck. Und diese legen sich eben dann flach, wenn das erhaltene Geld verbraucht ist - oder umverteilt. Umverteilt? Na ja, besonders verhaltenskreative Manager erhalten für ihre Großzügigkeit in der Vergabe vielleicht eine kleine Kickback-Zahlung - für das verbleibende persönliche Restrisiko, eventuell doch persönlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Weil die Boni allein sind möglicherweise nicht Anreiz genug. Und besonders besonders verhaltenskreative Aktionäre stellen sich die Frage, warum man die Kreditvergabe eigentlich fremden Unternehmenssandlern in den Rachen werfen soll. Man könnte doch selber irgendwie .... über verschachtelt verschachtelte Kapitalgesellschaften ....! Damit nicht nur die Dividenden frisches Geld ins Börsel spülen.

Moment! Bedeutet das nicht, dass sich da Aktionäre und Manager bloß widerrechtlich und in beträchtlicher Höhe aus dem Eigenkapital / Vermögen einer Bank bedienen??? 

Richtig.

Ja, gibt es da nicht etwas dagegen????

Doch!

Zum einen die gebotene "kaufmännische Vorsicht" bzw.das sogenannte "Mindestwertprinzip". Das bedeutet, dass man solche schädigenden Geschäfte eigentlich gar nicht machen dürfte - und selbst wenn dürfte man sie nur zum tatsächlichen Wert in eine Bilanz nehmen. Das wäre in den Fällen eigentlich ein sofortiger 100prozentiger Verlust. Nur: Aus so etwas kann man man keine Dividende bezahlen. Daher ist das alles historische graue Theorie aus Zeiten, als noch Realwirtschaft und Nachhaltigkeit in Unternehmensentwicklungen gefragt waren.

Zum anderen gibt es da ja eigentlich eine Finanzaufsicht, der solche Praktiken - bei ernst genommener Pflichterfüllung - schließlich auffallen müssten. Doch was würde passieren, wenn man derartige Geschäftemacherei auf der Stelle radikal unterbindet? Die gesamte schon längst vorhandene riesige Blase würde schlagartig platzen. Ja, .... und dann??? Daher schaut die Politik (samt beauftragter offizieller Aufsicht) lieber weg, so lange es geht. Natürlich von ausgeschickten Lobbys der Profiteure aus dem heutigen Verteilsystem nicht wirklich ganz unbeeinflusst.

Und wenn es dann für ein Institut nach dem anderen eng wird - weil es eben bloß ein Spiel auf Zeit ist: Ja, dann kommen Bad Bank und Anstaltslösungen ins Spiel. Das heißt: Die letztlich doch als faul aufgeflogenen Geschäfte werden aus den Bilanzen entfernt (damit man mit ebensolchen Geschäften ungehindert weitermachen kann?!?!) und einer "Bad Bank" überantwortet, die entweder der Staat (also die Steuerzahler) mit Eigenkapital in etwa der ausgegebenen Höhe unterlegt - oder die Notenbank (also mit frisch produziertem Geld = Inflation) oder ein "Markt", der ganz oder teilweise in diese Restschulden investiert (also in der kühnen Hoffnung darauf, dass sich sogar noch ein paar Wahnsinnige finden, die tatsächlich noch glauben, hinter den Transaktionen würden real vorhandene Geschäfte stecken).

Was bedeutet, dass der Aktionär seine Dividendengewinne (und sonstige Einnahmen) nur zum Teil über die Auch-Inflation bzw. als Auch-Steuerzahler mitträgt (letzteres wenn geht möglichst wenig, weil er sonst "wegen der lokal vorhandenen Steuernachteile" woandershin abwandert - oder dies zumindest einmal steuerschonend androht). Aber den Gutteil aus der angehäuften Misere trägt eben der Rest der Bevölkerung. Selbes gilt für die Manager-Boni  (und sonstige Einnahmen). Es ist eine vorweg gezielt durchgeplante Umverteilung von unten nach oben, nichts anderes. Und wenn sich vielleicht sogar wirklich Rest-Idioten finden, denen man aus einer Bad Bank auch noch ein lukratives Geschäftsmodell verklickern kann: Na, Bingo!

Bei der Hypo Alpe-Adria war das offenbar nicht so, und die Banken haben der Regierung zu dem Ansinnen den Stinkefinger gezeigt (no na, wenn's reingeht!). Daher die "Anstaltslösung" - also: Der Staat (= der Steuerzahler) schultert die Impertinenz alleine.

Ja, und was passiert dann einmal, wenn die Steuerzahler diese Lasten auch nimmer tragen können???

Da endet sogar die Phantasie von Politikern.

Aber die sind dann sowieso längst in ihrer wohlverdienten Pension - und irgendwo in der Sonne, unter Palmen, am Strand ...

G.K., 27.4.2014